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Unsere Therapie- und Forschungsgebiete

Unser Ziel ist es, allen Patientinnen und Patienten, die davon profitieren können, so schnell wie möglich hochwertige, innovative Therapien zur Verfügung zu stellen. Mit Zielstrebigkeit, Sorgfalt und Beharrlichkeit setzen wir uns dafür ein, Menschen, die mit Krebs leben, und ihren Angehörigen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Mammakarzinom (BC)
Akute myeloische Leukämie (AML)
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
Magenkarzinom/GEJ-Karzinom

Mammakarzinom

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2022 erkrankten in der Europäischen Union mehr als 374.000 Frauen an einem Mammakarzinom.1 Therapieentscheidungen sollten auf einer individuellen Risiko-Nutzen-Analyse beruhen, die Charakteristika der Patientin und des Tumors, Komorbiditäten und Präferenzen der betroffenen Frauen berücksichtigt.2-4

Frühes Mammakarzinom: Für die meisten Patientinnen sind eine brusterhaltende Operation und postoperative Strahlentherapie geeignete Maßnahmen. Die medikamentöse Behandlung kann aus endokriner Therapie, Chemotherapie und/oder zielgerichteten Therapien bestehen.4

Metastasiertes/fortgeschrittenes Mammakarzinom (mBC)2,3

HR-positives, HER2-negatives Mammakarzinom

Standardtherapie der ersten Wahl sind CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit einer endokrinen Therapie. Eine Erstlinien-Chemotherapie ist erforderlich, wenn ein Organversagen droht. Zu den Optionen der Zweitlinientherapie gehören Fulvestrant-Alpelisib (bei PIK3CA-Mutation), Everolimus in Kombination mit Exemestan, Tamoxifen oder Fulvestrant oder eine endokrine Monotherapie, Chemotherapie oder PARP-Inhibitoren (bei BRCA-Mutation). Für die Drittlinientherapie bei hormonsensitiven Tumoren kann die Fortsetzung der endokrinen Therapie mit Wirkstoffen eine Option sein, die zuvor nicht in der metastasierten Situation eingesetzt wurden. Andernfalls sollte eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden, wenn zielgerichtete Wirkstoffe bereits eingesetzt wurden oder ausgeschlossen sind.

HER2-positives Mammakarzinom

Die Standard-Erstlinienbehandlung für HER2-positive mBC sollte Trastuzumab-Pertuzumab-Docetaxel (oder Paclitaxel) sein, unabhängig vom Hormonrezeptor (HR)-Status. Bei HR-positiven Tumoren kann nach Abschluss der Chemotherapie eine endokrine Therapie zur Erhaltungstherapie mit Pertuzumab-Trastuzumab hinzugefügt werden . In ausgewählten Fällen von HER2-positivem, HR-positivem mBC, in denen die Patientin für eine Erstlinien-Chemotherapie nicht in Frage kommt, kann eine endokrine Therapie in Kombination mit einer HER2-spezifischen Therapie empfohlen werden. In der Zweitlinie ist Trastuzumab deruxtecan bei HER2-positivem oder HER2-armem mBC die bevorzugte Therapie nach Progression. Tucatinib-Capecitabin-Trastuzumab oder Trastuzumab deruxtecan kann bei ausgewählten Patientinnen mit Hirnmetastasen eingesetzt werden. Für die Drittlinienbehandlung und darüber hinaus scheinen die Anti-HER2-Therapie mit Trastuzumab deruxtecan, Trastuzumab emtansin und Tucatinib-Capecitabin-Trastuzumab die wirksamsten Behandlungsoptionen zu sein. Lapatinib ist ebenfalls eine Option, die vorzugsweise in Kombination eingesetzt wird.

Triple-negatives Mammakarzinom (TNBC)

Eine Chemotherapie in Kombination mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor ist die bevorzugte Erstlinienbehandlung für PD-L1-positive Tumore. Bei BRCA-mutierten und PD-L1-negativen Tumoren stellen ein PARP-Inhibitor oder eine platinbasierte Chemotherapie mögliche Optionen dar. Bei PD-L1-negativen/BRCA-Wildtyp-Tumoren kommen je nach Vorgeschichte und Erkrankung Taxan-Monotherapien, Anthrazykline oder Kombinationen einschließlich Bevacizumab in Frage. Nach Taxanen ist Sacituzumab die bevorzugte Behandlungsoption; für Patienten mit HER2-armem mBC sollte Trastuzumab deruxtecan in Betracht gezogen werden. Nach Progression der Erkrankung gelten alle Empfehlungen im Hinblick auf eine Chemotherapie bei HER2-negativen Erkrankungen auch für TNBC.

Hereditäres Mammakarzinom

Unabhängig vom HR-Status sollten Patientinnen mit HER2-negativem mBC und BRCA1- oder BRCA2-Keimbahnmutationen mit einem PARP-Inhibitor behandelt werden. Es liegen keine ausreichenden Erkenntnisse vor, um die optimale Sequenz von PARP-Inhibitoren und anderen aktiven Behandlungen zu bestimmen.

Akute myeloische Leukämie

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste akute Leukämie im Erwachsenenalter und betrifft etwa 5/100.000 Einwohner in Europa.5 Eine Klassifikation auf der Grundlage des Karyotyps und der Mutationsanalyse dient als Richtschnur für die Therapie und zur Prädiktion der Prognose.6,7

Bei Patienten, die für eine intensive Therapie geeignet sind, wird die Kontrolle und, wenn möglich, die Eradikation der Krankheit idealerweise durch die Induktion einer kompletten Remission mit der Ersttherapie erreicht, gefolgt von einer Konsolidierung und/oder Erhaltung.6 Anthrazykline und Cytarabin bilden nach wie vor das Rückgrat der intensiven Chemotherapie. FLT3-Kinase-Inhibitoren wurden in die Erstlinientherapie für FLT3-mutierte Patient:innen aufgenommen. Nach Erreichen einer kompletten Remission umfassen Konsolidierungsschemata idealerweise Cytarabin in mittlerer Dosierung.

Bei Patienten, die als nicht geeignet für eine intensive Therapie gelten, verbesserte die Zugabe eines BCL2-Inhibitors zu einem hypomethylierenden Wirkstoff (oder niedrig dosiertem Cytarabin) das Ansprechen. Patienten mit einer IDH1-Mutation können von einem IDH1-Inhibitor plus Azacitidin profitieren.6

Die Entscheidung, eine allogene hämatopoetische Zelltransplantation während der ersten Remission durchzuführen, hängt von den Risiken und Vorteilen ab, die sich aus der Biologie der Krankheit, dem ersten Ansprechen auf die Therapie und anderen Faktoren ergeben. Sie ist die einzige kurative Option bei primär refraktärer Erkrankung und bietet die besten Heilungschancen für diejenigen, die nach der ersten Chemotherapie einen Rückfall erleiden.6

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom

Das Lungenkarzinom ist die vierthäufigste diagnostizierte Tumorart in der Europäischen Union und die Tumorart, die am häufigsten zum Tode führt. Etwa 85 % sind nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC).8 Diese Tumore können mit einer Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, zielgerichteter Therapie oder einer Kombination dieser Verfahren behandelt werden. Die Behandlung hängt unter anderem vom Vorhanden- oder Nichtvorhandensein therapierbarer genomischer Veränderungen (AGAs) ab, die durch die Untersuchung von Biomarkern ermittelt werden.

Patienten mit therapierbaren genomischen Veränderungen wie EGFR, HER2 (ERBB2), ALK, ROS1, RET, NTRK, MET, BRAF und KRAS können von zielgerichteten Erstlinientherapien wie niedermolekularen TKIs, monoklonalen Antikörpern und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) profitieren.

Liegen keine therapierbaren Mutationen vor, kommen als Behandlungsmöglichkeiten eine Checkpoint-Inhibitor-Immuntherapie mit oder ohne platinbasierter Chemotherapie-Dublette mit oder ohne einem EGFR-Inhibitor oder eine alleinige platinbasierte Chemotherapie in Betracht.9 Jedoch entwickeln mehr als 60 % der initial auf Checkpoint-Inhibitoren ansprechenden Patient:innen mit NSCLC im Stadium IV eine Resistenz und benötigen daher weitere Behandlungsoptionen.10

Magenkarzinom/GEJ-Karzinom

Das Magenkarzinom ist mit schätzungsweise 136.000 Fällen in Europa im Jahr 2020 weit verbreitet. Die höchsten Inzidenzen sind in Ostasien, Mittel- und Osteuropa und Südamerika zu beobachten. In Westeuropa und Nordamerika ist das Magenkarzinoms in den letzten 60 Jahren rückläufig, während das Adenokarzinom des gastroösophagealen Übergangs (GEJ-AC) an Häufigkeit zugenommen hat.11,12

Bei lokalisierten Tumoren ist die Gastrektomie häufig die erste Behandlungsoption. Bei GEJ-AC kann eine Ösophagusresektion oder eine En-bloc-Resektion des Tumors und der umgebenden Lymphknoten indiziert sein.12 Systemische Chemotherapie mit Fluoropyrimidin- oder platinbasierten Regimes und/oder Strahlentherapie werden sowohl in der neoadjuvanten als auch in der adjuvanten Situation eingesetzt.12

Bei fortgeschrittenem/metastasiertem inoperablem Magenkarzinom wird in der Erstlinientherapie zusätzlich die Gabe von Trastuzumab (wenn HER2-positiv) oder eines PD-1-Inhibitors empfohlen. Weitere Therapielinien können einen VEGFR2-Inhibitor, ein Taxan oder Irinotecan, einen Checkpoint-Inhibitor im Falle von dMMR/MSI-H, einen Anti-HER2-ADC oder Trifluridin/Tipiracil umfassen.

Bei fortgeschrittenem HER2-negativem GEJ-AC wird eine Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren und Chemotherapie empfohlen.13 Bei zuvor unbehandeltem HER2-positivem Magenkarzinom oder GEJ-AC wird Trastuzumab plus Pembrolizumab in Kombination mit Chemotherapie empfohlen.13 Schreitet die Erkrankung nach der Erstlinienbehandlung fort, stehen für HER2-positive Erkrankungen Trastuzumab oder Anti-HER2-ADCs, Anti-VEGFR2-Antikörper oder PD-1-Inhibitoren zur Verfügung.12,13

AC: Adenokarzinom
ADC: Antibody-drug conjugate (Antikörper-Wirkstoff-Konjugat)
ADP: Adenosindiphosphat
ALK: Anaplastische Lymphomkinase
AML: Akute myeloische Leukämie
BC: Breast cancer (Brustkrebs, Mammakarzinom)
BCL: B-Zell-Lymphom
BRAF: v-Raf murine sarcoma viral oncogene homolog B1
BRCA: Brustkrebsgen
CDK: Cyclin-abhängige Kinase
CRC: Colorectal carcinoma (kolorektales Karzinom)
dMMR/MSI-H: Mismatch-Repair-Defizienz/hohe Mikrosatelliteninstabilität
EGFR: Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor
ERBB: Erythroblastic leukemia viral oncogene homolog
FLT: FMS-ähnliche Tyrosinkinase
FU: Fluorouracil
GEJ: Gastroesophageal junction (gastroösophagealer Übergang)
HER: Humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor
HR: Hormonrezeptor
IDH: Isocitrat-Dehydrogenase
KRAS: Kristen rat sarcoma viral oncogene homolog
m: Metastasiert
MET: MET proto-oncogene receptor tyrosine kinase
NSCLC: Non-small cell lung cancer (nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom)
NTRK: Neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase
PARP: Poly-ADP-Ribose-Polymerase
PIK3CA: Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat-3-Kinase katalytische Untereinheit alpha
PD: Programmed cell death protein (programmiertes Zelltod-Protein)
RET: Rearranged during transfection
ROS: ROS-Proto-Onkogen
TNBC: Triple-negatives Mammakarzinom
TROP: Oberflächenantigen der Trophoblastenzellen
VEGF: Vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor
VEGFR: Vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor-Rezeptor

  1. European Commission. Factsheet Breast Cancer in the EU. October 2023. Accessed 11/28/2024. https://ecis.jrc.ec.europa.eu/sites/default/files/2024-01/jrc_Breast_cancer_2022_Oct_2023.pdf
  2. Curigliano G, Castelo-Branco L, Gennari A, et al. ESMO Metastatic Breast Cancer Living Guidelines, v1.1 May 2023. Accessed 12/16/2024. https://www.esmo.org/living-guidelines/esmo-metastatic-breast-cancer-living-guideline
  3. Gennari A, Andre F, Barrios CH, et al. ESMO Clinical Practice Guideline for the diagnosis, staging and treatment of patients with metastatic breast cancer. Ann Oncol. 2021;32(12):1475-1495. doi:10.1016/j.annonc.2021.09.019
  4. Loibl S, Andre F, Bachelot T, et al. Early breast cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2024;35(2):159-182. doi:10.1016/j.annonc.2023.11.016
  5. Heuser M, Ofran Y, Boissel N, et al. Acute myeloid leukaemia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2020;31(6):697-712. doi:10.1016/j.annonc.2020.02.018
  6. Döhner H, Wei AH, Appelbaum FR, et al. Diagnosis and management of AML in adults: 2022 recommendations from an international expert panel on behalf of the ELN. Blood. 2022;140(12):1345-1377. doi:10.1182/blood.2022016867
  7. Khoury JD, Solary E, Abla O, et al. The 5th edition of the World Health Organization Classification of Haematolymphoid Tumours: Myeloid and Histiocytic/Dendritic Neoplasms. Leukemia. 2022;36(7):1703-1719. doi:10.1038/s41375-022-01613-1
  8. European Commission. ECIS – European Cancer Information System. 2022 new cancer cases and cancer deaths on the rise in the EU. Accessed 12/06/2024. https://ecis.jrc.ec.europa.eu/sites/default/files/2024-01/jrc_CancerEstimates2022_factsheet.pdf
  9. Hendriks LE, Kerr KM, Menis J, et al. Non-oncogene-addicted metastatic non-small-cell lung cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2023;34(4):358-376. doi:10.1016/j.annonc.2022.12.013
  10. Memon D, Schoenfeld AJ, Ye D, et al. Clinical and molecular features of acquired resistance to immunotherapy in non-small cell lung cancer. Cancer Cell. 2024;42(2):209-224 e9. doi:10.1016/j.ccell.2023.12.013
  11. Globocan 2022, International Agency for Research on Cancer. Fact Sheet Stomach. Accessed 12/06//2024. https://gco.iarc.who.int/media/globocan/factsheets/cancers/7-stomach-fact-sheet.pdf
  12. Lordick F, Carneiro F, Cascinu S, et al. Gastric cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2022;33(10):1005-1020. doi:10.1016/j.annonc.2022.07.004
  13. Shah MA, Kennedy EB, Alarcon-Rozas AE, et al. Immunotherapy and Targeted Therapy for Advanced Gastroesophageal Cancer: ASCO Guideline. J Clin Oncol. 2023;41(7):1470-1491. doi:10.1200/JCO.22.02331
  14. European Commission. Factsheet 2022 New cancer cases and cancer deaths on the rise in the EU. September 2023. Accessed 05/20/2024. https://ecis.jrc.ec.europa.eu/factsheets_2022.php
  15. Cervantes A, Adam R, Rosello S, et al. Metastatic colorectal cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2023;34(1):10-32. doi:10.1016/j.annonc.2022.10.003