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HER2-positives Mammakarzinom – auf dem Weg zu einer behandelbaren Erkrankung

In einer kürzlich in Nature Reviews Drug Discovery veröffentlichten Übersichtsarbeit fassen die US-Forscher Sandra M. Swain, Mythili Shastry und Erika Hamilton die bahnbrechenden Folgen der Entdeckung von HER2 als Biomarker für das Mammakarzinom zusammen.1 Das HER2-positive Mammakarzinom ist eine sehr aggressive Form der Erkrankung. Eine Revolution im Bereich der zielgerichteten Therapien hat die Prognose von Patient:innen mit HER2-positivem Mammakarzinom jedoch verändert.

Ein Wendepunkt: HER2 als Zielstruktur für eine wirksame Behandlung

Die Entdeckung von HER2 als einer der wichtigsten Treiber des Mammakarzinoms war vor fast 25 Jahren ein Durchbruch für die Therapie, der zur Entwicklung von Trastuzumab führte, dem ersten zielgerichteten Medikament für die Erkrankung. Dieser erste Erfolg ebnete den Weg für weitere Fortschritte. Monoklonale Antikörper, Tyrosinkinase-Inhibitoren und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) – die speziell auf HER2 ausgerichtet sind – haben in klinischen Studien beeindruckende Ergebnisse gezeigt. Dies gab Anlass zu umfangreichen Forschungsarbeiten für noch wirksamere und gezieltere Therapien.

Signifikante Verbesserung der Überlebensraten: der neue Standard der Versorgung

Die Therapielandschaft bei HER2-positivem Mammakarzinom hat sich dramatisch verändert. Die Kombination von zielgerichteten Medikamenten mit Chemotherapie hat zu einer deutlichen Verbesserung der Überlebensraten geführt. Bei HER2-positivem Mammakarzinom im Frühstadium liegen diese Raten inzwischen bei über 90 %. Darüber hinaus lässt die frühe Diagnose von mehr als der Hälfte der metastasierten HER2-positiven Fälle auf ein hohes Heilungspotenzial im Frühstadium der Erkrankung schließen.

Therapieresistenzen überwinden – eine fortwährende Aufgabe

Trotz dieser bemerkenswerten Erfolge können metastasierende HER2-positive Tumore Resistenzen entwickeln, die zu einem Fortschreiten der Krankheit führen. Derzeit liegt ein Forschungsschwerpunkt darauf, die Zahl der im Frühstadium geheilten Patient:innen zu erhöhen und ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Für Patient:innen mit Metastasen oder einem Rezidiv sind neue Therapien von entscheidender Bedeutung, da ihre Tumore häufig weiterhin von der HER2-Signalübertragung abhängig sind.

Weiterentwicklung der HER2-gerichteten Therapie

Die Bemühungen, das HER2-positive Mammakarzinom effektiv zu therapieren geht weiter, die Chancen dazu stehen gut. Wissenschaftler betreten dabei neue Wege, um HER2 wirksamer zu bekämpfen.

  • Optimierung bestehender Plattformen: Wissenschaftler verfeinern bestehende ADC-Plattformen durch Feinabstimmung der Linkermoleküle, der Payloads oder der Antikörperstrukturen mit dem Ziel, eine noch bessere Wirksamkeit zu erreichen.
  • Bispezifische Antikörper: Diese Medikamente sind so konzipiert, dass sie an zwei verschiedene Bindungsstellen des HER2-Moleküls gleichzeitig binden und so ihre Wirksamkeit maximieren.
  • Nutzbarmachung des Immunsystems: Die Immuntherapie, die sich bei anderen Krebsarten als vielversprechend erwiesen hat, wird auch beim HER2-positiven Mammakarzinom untersucht. Dabei stehen verschiedene Strategien im Fokus, wie etwa der Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren, die direkte Verknüpfung von T-Zellen mit HER2-Antikörpern und die Entwicklung von Zelltherapien und Impfstoffen.

Durch das Verständnis der derzeit bereits erfolgreichen Therapien und der potenziellen Resistenzmechanismen besteht die Aussicht, noch wirksamere Therapien entwickeln zu können und die Überlebensraten bei HER2-positivem Mammakarzinom weiter zu verbessern. Durch kontinuierliche Anstrengungen im Bereich der HER2-Forschung kann diese einst aggressive Krankheit für viele Patient:innen behandelbar und kontrollierbar werden.


Referenz 

  1. Swain SM, Shastry M, Hamilton E. Targeting HER2-positiven Brustkrebs: Fortschritte und zukünftige Richtungen. Nat Rev Drug Discov. 2023;22(2):101-126. doi:10.1038/s41573-022-00579-0

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